DAfStb-Fachkolloquium 2015
Widerstandsklassen — das neue Konzept zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit von Betonbauwerken

Dauerhaftigkeitsaspekte nach aktuellen Normen im Betonbau

Neben der Sicherstellung der Tragfähigkeit und der Gebrauchstauglichkeit unserer Ingenieurbauwerke wird in den neuen Regelwerken zur Erzielung möglichst langer Nutzungszeiträume verstärkt Gewicht auf die Sicherstellung der Dauerhaftigkeit gelegt. Die DIN EN 1992-1-1 schreibt hierzu z. B. in allgemeingültiger Form: „Die Anforderung nach einem angemessen dauerhaften Tragwerk ist erfüllt, wenn dieses während der vorgesehenen Nutzungsdauer seine Funktion hinsichtlich der Tragfähigkeit und der Gebrauchstauglichkeit ohne wesentlichen Verlust der Nutzungseigenschaften bei einem angemessenen Instandhaltungsaufwand erfüllt […]“. Somit dienen nahezu alle Anforderungen und Nachweise in den Regelwerken direkt oder indirekt der Sicherstellung der Dauerhaftigkeit des Bauteils. Die „direkten“ Maßnahmen zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit lassen sich in 4 Teilaspekte unterteilen:

Im Zuge der bereits begonnenen Überarbeitung des Eurocode 2 und der Weiterentwicklung der EN 206, die erst jenseits des Jahres 2020 abgeschlossen sein werden, wird derzeit in einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von CEN/TC 250/SC2 und CEN/TC 104/SC1 ein neues Dauerhaftigkeitskonzept entwickelt, das auf sogenannten „Widerstandsklassen (Resistance Classes)“ beruht. Dieses neue Konzept soll auf dem Fachkolloquium vorgestellt und Vor- und Nachteile diskutiert werden.

Widerstandsklassen —
das neue Dauerhaftigkeitskonzept im Betonbau

Bei dem aus der Lebensdauerbemessung nach ISO 16024 abgeleiteten neuen Konzept der Widerstandsklassen, das insbesondere für die Expositionsklassen XC, XS und XD vorgesehen ist, wird die Eindringgeschwindigkeit der Karbonatisierungs- oder Chloridfront in den Beton zugrundegelegt. Eine 50jährige Nutzungsdauer angenommen, bedeutet dann z. B. eine Widerstandsklasse R20 bei Karbonatisierung, dass die Karbonatisierungsfront nach 50 Jahren unter XC3-Lagerungsbedingungen mit einer Annahmewahrscheinlichkeit von 90 % eine Tiefe von 20 mm nicht überschreitet. Eine Widerstandsklasse R60 bei Chlorideinwirkung stellt sicher, dass unter XS2-Lagerungsbedingungen nach einer Zeitspanne von 50 Jahren der kritische korrosionsauslösende Chloridgehalt von 0,5 % (bezogen auf den Zementgehalt) in einer Tiefe von 60 mm mit einer Annahmewahrscheinlichkeit von 90 % nicht überschritten wird. Das Einhalten der zuvor beschriebenen Kriterien der Widerstandsklasse kann dann durch deskriptive Festlegungen von Anforderungen an die Betonzusammensetzung (Zementart, Zusatzstoffzugabe, Wasserzementwert) oder durch eine Performanceprüfung des Betons nachgewiesen werden. Der Tragwerkplaner kann dann durch entsprechende Wahl einer Widerstandsklasse die Mindestbetondeckungen flexibler variieren.

Ziel dieses Fachkolloquiums ist es, das neue Konzept einer breiten Fachöffentlichkeit vorzustellen und den Teilnehmern der Veranstaltung die Möglichkeit zur intensiven Diskussion einzuräumen. Dazu sollen im Rahmen der Veranstaltung zunächst die wissenschaftlichen Grundlagen des Konzeptes und daran anschließend das geplante Normenkonzept vorgestellt werden. Im Anschluss daran sollen die Vor- und Nachteile des Konzeptes aus Sicht der Anwender vorgestellt werden. Die Teilnehmer an dem Fachkolloquium sind herzlich eingeladen, ihre eigenen Erfahrungen und Kritikpunkte einzubringen. Das Ergebnis der Veranstaltung soll schließlich Eingang in die deutsche Stellungnahme zu dem neuen europäischen Normungskonzept finden.

Anlage:

Aktuelles

2. DAfStb-/DBV-Fachkolloquium „Frischbetonverbundsysteme“
Nachruf auf Professor Peter Schießl
HighTechMatBau-Konferenz am 31.01.2018 —
Neue Materialien im Bauwesen
Carbon- & Textilbetontage 2017
Emil-Mörsch-Denkmünze des DBV
für Professor Jürgen Schnell
Stellenausschreibung des DAfStb
Honorarprofessur für Dr.-Ing. G. Marzahn
Pressemitteilung zur Instandhaltungs-Richtlinie
DAfStb-Fachkolloquium II/2017 –
„Entwicklungen bei metallischer
und nichtmetallischer Bewehrung“
DAfStb-Fachkolloquium I/2017
„Instandhaltungs-Richtlinie — Quo Vadis?“
Deutscher Zukunftspreis 2016 für
C³ - Carbon Concrete Composite
Hightech-Materialien auf der BAU 2017 —
Innovationen und Trends bei neuen Baustoffen
fib Symposium 2017 Maastricht –
High tech concrete:
where technology and engineering meet!
DAfStb-Positionspapier zum kritischen korrosionsauslösenden Chloridgehalt
DAfStb-Fachkolloquium 2015 –
zum EuGH-Urteil C-100/13

WiTraBau – Wissenstransfer im Bauwesen – Neues Projekt beim DAfStb
DAfStb-Fachkolloquium 2015 –
Widerstandsklassen – das neue Konzept zur Sicherstellung der Dauerhaftigkeit von Betonbauwerken
Mitteilung des DAfStb zur E DIN 1045-2:2014-08
Memorandum zum EC 2
DAfStb-Fachkolloquium 2013 –
Dauerhaftigkeit von befahrenen Parkdecks
Stellungnahme des DAfStb
zur Dauerhaftigkeit von befahrenen Parkdecks
Erläuterung des DAfStb zum aktuellen Regelungsstand der Umweltverträglichkeit
von Beton
Auslegungen des DAfStb zur Alkali-Richtlinie
WU-Richtlinie des DAfStb
Sulfatangriff auf Beton -
Stellungnahme des DAfStb
Positionspapier des DAfStb zur Umsetzung des Konzepts von leistungsbezogenen Entwurfs- verfahren unter Berücksichtigung von DIN EN 206-1, Anhang J
Empfehlungen des DAfStb zu den erforderlichen Nachweisen der Bauprodukte für den katho-
dischen Korrosionsschutz (KKS) im Betonbau
Berichtigungen zur DAfStb-Richtlinie "Schutz
und Instandsetzung von Betonbauteilen"
Bauaufsichtliche Regelungen zur Umsetzung
der Normenreihe DIN EN 1504
DBV-/DAfStb-Fachkolloquium "Dauerhaftigkeit
von Parkdecks" am 20. November 2009 in Berlin
Grenzwertableitungskonzepte zur Bewertung der Freisetzung von gefährlichen Stoffen aus Bauprodukten